Anleitung – lineare Erörterung schreiben

Anleitung: so schreibt man eine lineare Erörterung

Im Zusammenhang mit der Erörterung wird zwischen der dialektischen und der linearen Erörterung unterschieden. Während die dialektische Erörterung beide Seiten eines Sachverhalts thematisiert und die jeweiligen Pro- und Contra-Argumente gegenüberstellt, beschäftigt sich die lineare Erörterung nur mit den Argumenten einer Seite.

Aus diesem Grund wird die lineare Erörterung teilweise auch als freie oder einfache Erörterung bezeichnet. 

Bei der linearen Erörterung geht es darum, einen Sachverhalt präzise und differenziert zu betrachten, die Zusammenhänge aufzuzeigen und die Thematik mit Argumenten zu begründen. Da dabei in aller Regel mit den schwächsten Argumenten begonnen wird und die stärksten Argumente zum Schluss genannt werden, ist auch die Bezeichnung steigende Erörterung geläufig. Die Überschrift einer linearen Erörterung kann als Frage oder als Aussage formuliert sein.

Wie nun aber konkret eine lineare Erörterung geschrieben wird und worauf es dabei zu achten gilt, erklärt die folgende Anleitung:  

1. Schritt: das Thema erfassen und die Materialsammlung erstellen

Der erste und wichtigste Schritt besteht darin, das Thema richtig zu erfassen. Eine lineare Erörterung erläutert ein Thema umfassend, zeigt Zusammenhänge auf, begründet mit Argumenten und verdeutlicht anhand von Beispielen.

Dabei verfolgt eine lineare Erörterung die Absicht, eine Grundlage zu schaffen, durch die sich der Leser seine eigene Meinung bilden kann. Diese Meinung kann darin bestehen, dass der Leser den Ausführungen zustimmt, genauso kann die lineare Erörterung durch die einseitige Darstellung aber auch bewusst Diskussionsstoff liefern. Um das Thema der Erörterung richtig zu erfassen, sollte sich der Autor fragen, wozu oder wovon sich die Leser durch seinen Text eine Meinung bilden sollen.

Als nächstes ist die Materialsammlung an der Reihe. Hier geht es darum, zunächst alle Informationen und Argumente zusammenzutragen, die für den Sachverhalt von Bedeutung sind. Dabei kann es sich um Tatsachen, Statistiken, Forschungsergebnisse, Studien, Zitate und natürlich auch um eigene Gedanken und allgemeine Erfahrungen handeln.  

2. Schritt: die Gliederung anfertigen

Sind ausreichend Argumente, Informationen und Beispiele zusammengetragen, muss die Materialsammlung geordnet und gegliedert werden. Dabei ist es oft hilfreich, die Argumente und Informationen entsprechend ihrer Wichtigkeit zu markieren, um so einen besseren Überblick zu erhalten.

Markierungen sind beispielsweise möglich, indem die Informationen nummeriert und starke Argumente mit Ausrufezeichen und weniger starke Argumente mit Fragezeichen gekennzeichnet werden. Eine andere Möglichkeit wäre, besonders wichtige Argumente mit roter Farbe zu unterstreichen, für weniger wichtige Argumente einen blauen Stift und für schwache Argumente einen gelben Stift zu verwenden. Ist das gesammelte Material geordnet, kann die Gliederung erstellt werden.

Eine lineare Erörterung folgt zunächst dem klassischen Aufbau eines Aufsatzes, setzt sich also aus einer Einleitung, einem Hauptteil und einem Schlussteil zusammen:

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In der Einleitung geht es darum, das Interesse des Lesers zu wecken und ihn an das Thema heranzuführen. Dies kann umgesetzt werden, indem ein Beispiel benannt, auf einen häufig diskutierten Sachverhalt hingewiesen oder auch eine  aktuelle Schlagzeile zitiert wird.

Zudem können in der Einleitung wesentliche Begriffe definiert werden. Um einen flüssigen Übergang zum Hauptteil herzustellen, kann die Einleitung die zentrale Fragestellung wiederholen. 

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Der Hauptteil führt das Thema aus und begründet den Sachverhalt mithilfe von Argumenten. Dabei beginnt der Hauptteil mit dem schwächsten Argument, um die Wichtigkeit der Argumente dann zunehmend zu steigern. Das grundlegende Muster sieht hierfür vor, erst das Argument zu benennen, dieses anschließend zu erläutern und nach Möglichkeit mit einem konkreten Beispiel zu belegen.

Zudem kann der Autor Handlungsmöglichkeiten oder Lösungen vorschlagen. Interessant kann aber auch sein, die typischen Argumente der Gegenseite als Grundlage für die eigene Argumentation zu verwenden und so eine kritische Auseinandersetzung umzusetzen.

Wichtig für den Hauptteil ist jedoch neben einer schlüssigen Argumentation auch, auf den roten Faden und flüssige Übergänge zu achten. Das bedeutet, die Argumente sollten nicht nur nacheinander aufgeführt werden, sondern miteinander verknüpft sein, so dass sich ein Gesamttext ergibt. Wichtig ist außerdem, Wiederholungen zu vermeiden.

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Der Schlussteil fasst die Kernaussagen noch einmal zusammen und zieht dann ein Resümee. Allerdings basiert das Resümee tatsächlich auf den vorhergehenden Ausführungen, neue Argumente oder Gesichtspunkte tauchen im Schlussteil nicht auf.

Wie der Schlussteil endet, bleibt der Entscheidung des Autors überlassen. So kann der Schlussteil mit einem Appell an die Leser enden, eine Prognose wagen, die Eingangsfrage wiederholen oder auch eine weiterführende Frage in den Raum stellen.   

3. Schritt: die Erörterung ausformulieren

Je besser die Gliederung vorbereitet ist, desto einfacher ist das eigentliche Schreiben der Erörterung, denn dann müssen die Gedanken, Notizen und Stichworte nur noch ausformuliert werden. Für das Schreiben selbst gilt, dass eine lineare Erörterung in aller Regel im Präsens verfasst wird.

Zudem sollte der Autor auf klare und verständliche Aussagen achten, also auf allzu viele rhetorische, stilistische und poetische Mittel verzichten. Gleiches gilt für Metaphern oder ironische Bemerkungen, denn diese könnten missverstanden werden.   

4. Schritt: die Erörterung abschließend überprüfen

Ist der Text fertig, sollte die Erörterung am besten mit etwas zeitlichem Abstand noch einmal sorgfältig gelesen und kritisch überprüft werden.

Im Vordergrund steht dabei, ob die Argumentation für den Leser plausibel und verständlich ist und er nachvollziehen kann, wie der Autor zu seinem Resümee kommt.

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