Bericht: Blei im Wasser testen, 1. Teil

Bericht: Blei im Wasser testen, 1. Teil

Das Wasser, das hierzulande aus dem Wasserhahn fließt, hat eine sehr gute Qualität. Gleichzeitig wird in Deutschland kein anderes Lebensmittel so streng und engmaschig kontrolliert wie Leitungswasser. Selbst Spuren von bedenklichen Schadstoffen tauchen kaum auf. Und falls es doch einmal zu einer Belastung kommen sollte, reagieren die zuständigen Stellen sofort.

Bericht Blei im Wasser testen, 1. Teil

Solange im Haus keine Leitungen aus Blei verlegt sind, kann der Bewohner das Leitungswasser deshalb bedenkenlos trinken. Doch jetzt kommt das große Aber. Denn es gibt nach wie vor Häuser und Wohnungen mit alten Bleirohren.

Fließt das Wasser durch diese Rohre, kann der Grenzwert für Blei überschritten sein. Und die regelmäßige Aufnahme von kleinen Mengen Blei kann zur echten Gesundheitsgefahr werden.

Nur: Wie bringt der Bewohner in Erfahrung, ob sein Wasser durch alte Bleileitungen fließt?

Woran sind Rohre aus Blei zu erkennen? Wo und wie kann der Bewohner Blei im Wasser testen lassen? Und was ist, wenn sich herausstellt, dass die Bleiwerte erhöht sind?

In einem zweiteiligen Bericht beantworten
wir die wichtigsten Fragen zu diesem Thema.

Warum ist Blei im Trinkwasser gefährlich?

Für den Menschen ist Blei ein giftiges Schwermetall. Schon die Aufnahme kleiner Mengen kann die Gesundheit gefährden. Zu den möglichen Folgen zählt, dass Blei das Nervensystem, die Blutbildung und die Funktion der Nieren beeinträchtigen kann.

Besonders gefährlich ist das Schwermetall für Ungeborene, Säuglinge und Kleinkinder. Denn ihr Nervensystem reagiert sehr sensibel. Und bei ihnen kann Blei nicht nur Funktionsstörungen verursachen, sondern auch die Entwicklung der Intelligenz einschränken.

Ein Teil des aufgenommenen Bleis wird wieder ausgeschieden. Doch der andere Teil lagert sich in den Knochen ab und kann von dort aus wieder in den Blutkreislauf gelangen. Bislang ist bei Blei nicht bekannt, wo die Schwelle für schädigende Wirkungen liegt. Grundsätzlich wird das Schwermetall aber als wahrscheinlich krebserregend eingestuft.

Welche Häuser können betroffen sein?

Aus technischer Sicht weist Blei sehr gute Eigenschaften auf. Deshalb war das Metall Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ein gängiges Material bei Installationen.

Seinerzeit wurden sowohl für die Verteilungs- und Versorgungsleitungen als auch für die Hausanschlussleitungen Bleirohre verwendet. Die Hausanschlussleitungen sind die Leitungen, die das Wasser aus dem Versorgungsnetz ins Haus transportieren.

In Baden-Württemberg und Bayern wurden Leitungen aus Blei teilweise schon 1878 verboten. In anderen Teilen Deutschlands wurden Bleirohre aber noch bis in die 1970er-Jahre hinein verlegt. Allerdings wurden auch hier immer öfter andere Materialien wie verzinkter Stahl oder Kupfer verbaut.

1973 gab es dann ein flächendeckendes Verbot für Bleileitungen. Häuser, die nach 1973 gebaut wurden, sollten mit Blei im Trinkwasser deshalb keine Probleme haben.

Die Wasserversorger haben die alten Leitungen schon lange ausgetauscht. Das öffentliche Wasser-Verteilungsnetz ist in Deutschland daher bleifrei. Bei den Hausinstallationen kann es aber anders aussehen.

Denn für die Leitungen, die ab dem Wasserzähler in die Wohnungen führen, sind die Hauseigentümer selbst zuständig. Und hier kann durchaus noch das eine oder andere Bleirohr vorhanden sein.

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Was sind typische Merkmale von einem Wasserrohr aus Blei?

Ist der Bewohner unsicher, welches Material für die Installationen im Haus verwendet wurde, kann er sich beim Vermieter, Hausverwalter oder Eigentümer erkundigen.

Er kann nachfragen, wann die Leitungen verlegt wurden und aus welchem Material sie bestehen. Sind in einem Gebäude noch alte Bleirohre vorhanden, ist der Eigentümer dazu verpflichtet, den Bewohner darüber zu informieren.

Sind die Wasserleitungen oder zumindest Teile davon im Keller, im Bereich des Wasserzählers oder an anderen Stellen im Haus zu sehen, kann der Bewohner das Material aber auch selbst überprüfen.

Bleirohre sind nämlich an folgenden Merkmalen gut zu erkennen:

  • Im Unterschied zu Stahl- und Kupferleitungen sind Leitungen aus Blei weich und lassen sich einfach biegen. Aus diesem Grund sind Bleirohre meist in einem Stück verlegt und passend zum Verlauf in die entsprechende Form gebogen. Gibt es Teilstücke, stecken sie oft nur ineinander. Durch die beiden Lagen ist dann eine Wulst zu sehen.

  • Bleirohre können mit einem Messer, einer Münze oder einem Schlüssel problemlos eingeritzt werden. Schabt der Bewohner die Oberfläche ein wenig ab, kommt ein silbrig-grauer Farbton zum Vorschein.

  • Klopft der Bewohner die Rohre ab, klingen sie nicht wie Metall, sondern dumpf.

Wie hoch darf der Bleigehalt im Leitungswasser sein?

Die Vorgaben für die Trinkwasserqualität und die Grenzwerte bedenklicher Stoffe sind in Deutschland in der Trinkwasserverordnung geregelt. Und der zulässige Bleigehalt wurde mehrfach nach unten korrigiert.

Bis Ende der 1990er-Jahre betrug der Grenzwert für Blei im Trinkwasser noch 0,04 Milligramm pro Liter. Danach wurde er auf 0,025 Milligramm pro Liter Wasser gesenkt. 2001 gab es dann noch einmal eine Absenkung auf 0,01 Milligramm pro Liter. Dieser Grenzwert gilt aber erst seit 2013.

Denn der Gesetzgeber räumte den Wasserversorgern und Hauseigentümern eine lange Übergangsfrist ein, während der sie Zeit hatten, die alten Bleileitungen auszutauschen.

Seit dem 1. Dezember gilt, dass ein Liter Trinkwasser maximal 0,01 Milligramm Blei enthalten darf. 0,01 Milligramm entsprechen 10 Mikrogramm.

Ist das Leitungswasser zuvor durch Bleirohre geflossen, ist dieser Grenzwert praktisch kaum einzuhalten. Stand das Wasser längere Zeit in der Leitung, zum Beispiel weil nachts mehrere Stunden lang kein Wasser entnommen wurde, ist der Bleigehalt oft deutlich zu hoch. Eine echte Alternative zum Austausch von alten Bleirohren gibt es deshalb letztlich nicht.

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Hier schreiben Marion Kalinski, 37 Jahre, Deutschlehrerin, Armin Wischhusen, 42 Jahre und freier Journalist, Christian Gülcan Redakteur und Inhaber der Webseite, sowie Denise Menke, geboren 1969, Inhaberin einer Presseagentur. Wir möchten Wissenswertes zu Themen die aktuell in Deutschland sind vermitteln, sowie diverse Anleitungen und Tipps für Schule, Studium oder Beruf weitergeben.

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