Bericht: Was hat es mit dem digitalen Euro auf sich? 2. Teil

Bericht: Was hat es mit dem digitalen Euro auf sich? 2. Teil

Digitalgeld ist auf dem Vormarsch. Die USA und Kanada entwickeln virtuelle Währungen, Facebook möchte den Diem-Dollar einführen und China erprobt bereits den digitalen Yuan. Auch Europa möchte eine E-Währung als Ergänzung zum Bargeld auf den Markt bringen. Zwar steht noch kein genauer Termin fest. Aber als Ziel ist ausgegeben, dass der digitale Euro bis 2025 eingeführt sein soll. Nur stellt sich die Frage, was es mit dem digitalen Euro eigentlich auf sich hat.

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Bericht Was hat es mit dem digitalen Euro auf sich 2. Teil

In einem zweiteiligen Beitrag klären wir die wichtigsten Fragen zur virtuellen Währung. Dabei haben wir im 1. Teil beantwortet, was der digitale Euro genau ist, was er erreichen soll und warum der Zeitfaktor eine große Rolle spielt.

Hier ist der 2. Teil!:

Warum ist die EU bei der Einführung einer Digitalwährung zögerlich?

Die Finanzminister von Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und anderen größeren EU-Mitgliedsstaaten haben sich dagegen ausgesprochen, auf die Schnelle eine digitale Währung einzuführen. Sie möchten, dass der digitale Euro erst dann auf den Markt kommt, wenn auch die Gesetzgebung alle damit verbundenen Risiken angemessen berücksichtigt hat.

Der amtierende Bundesfinanzminister Olaf Scholz stellte klar, dass ein genaues Regelwerk notwendig ist, um die Stabilität des Finanzmarktes sicherzustellen. Auch der Chef der Bundesbank sieht Informationsbedarf, bevor konkrete Schritte erfolgen können.

Hinzu kommt, dass viele Aspekte noch gar nicht geklärt sind. Das betrifft zum Beispiel den Datenschutz und die IT-Sicherheit. Außerdem warten technische Formalitäten als Herausforderungen, etwa einheitliche digitale Konten für alle Interessenten im Euroraum.

Und ein digitaler Euro erfordert eine technische Infrastruktur, die absolut sicher ist. Doch bis sie steht, ist es noch ein weiter Weg.

Was sind die nächsten Schritte?

Damit Europa bei den virtuellen Währungen nicht abgehängt wird, möchte der IT-Branchenverband Bitkom das Tempo, mit dem der digitale Euro erprobt wird, erhöhen. Auch die Wissenschaft unterstützt das Vorhaben.

In einem offenen Brief haben verschiedene Wirtschaftsexperten einen Fahrplan gezeichnet, wie bis 2024 ein „digital programmierbarer Euro“ auf den Markt gebracht werden kann.

Führende Volkswirte hingegen weisen darauf hin, dass die Wirkungen auf die Gesamtgesellschaft durchgespielt werden müssen, bevor ein digitales Zentralbankgeld eingeführt wird. Ihr Argument lautet, dass die Ausgestaltung des digitalen Euro maßgeblich über die Folgen für den Banken- und Finanzsektor, die Akzeptanz in der Gesellschaft und die geldpolitischen Möglichkeiten der Zentralbank entscheiden wird.

Den nächsten Meilenstein in Richtung digitaler Euro werden vermutlich die Ergebnisse markieren, die die dafür eingerichtete Arbeitsgruppe der EZB liefert. Erst dann werden wohl verlässlichere Prognosen dazu möglich sein, wann der Startschuss für den E-Euro im Euroraum fällt.

Gleichzeitig wird sich zeigen, ob es Europa in der Konzept- und Testphase gelingen kann, den derzeitigen Rückstand auf andere digitale Währungen wie den Diem-Dollar oder den E-Yuan noch aufzuholen.

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Ist es überhaupt notwendig, dass eine Institution wie die EZB eine Digitalwährung bereitstellt?

Obwohl die Kurse von vielen Kryptowährungen zum Teil massiv schwanken, wird es heutzutage immer selbstverständlicher, digitale Zahlungsmittel zu nutzen. Angesichts der Kursschwankungen könnte ein Argument sein, dass Kryptowährungen für private Nutzer zu wenig Sicherheit bieten. Die enorme Nachfrage zeichnet aber ein anderes Bild.

Vor diesem Hintergrund ist die Einführung des digitalen Euro eine stabilere Alternative für Privatanleger. Denn anders als klassische Kryptowährungen wird die europäische Digitalwährung eins zu eins an den Euro gekoppelt sein. Das Risiko, dass Anleger Verluste machen, ist damit deutlich kleiner.

Andererseits zeigt die Praxis, dass sowohl der Markt mit virtuellen Währungen als auch die digitalen Infrastrukturen der Kryptowährungen sehr gut funktionieren. Dass die EZB als länderübergreifende Institution in diesen Markt eingreift, wäre deshalb nicht unbedingt notwendig.

Was hat die EZB von der Hoheit über eine digitale Währung?

Entwickelt die EZB oder eine andere Zentralbank eine eigene Digitalwährung und bringt diese in Umlauf, ist sie auch diejenige, die die Rahmenbedingungen für die Währung festlegt. Gleichzeitig kann sie Einfluss auf den Wettbewerb zwischen den privaten Akteuren nehmen. Dass diese sich einer Regulierung entziehen, ist dann nicht mehr ohne Weiteres möglich.

Bislang haben die Zentralbanken so gut wie keinen Einfluss auf den Markt mit Kryptowährungen. Allerdings liegt das ein Stück weit in der Natur der Sache. Denn die Idee hinter Kryptowährungen ist ja gerade, dass sie dezentralisiert in Umlauf gebracht und kontrolliert werden.

Welche Vorteile hat der digitale Euro für Verbraucher?

Die beiden größten Pluspunkte, die der digitale Euro für Verbraucher bieten wird, sind die Stabilität und die Sicherheit. Anders als Kryptowährungen sind massive Kursschwankungen beim E-Euro nicht zu erwarten. Zahlungsvorgänge werden zuverlässig ausgeführt, die Zahlungsströme erfolgen rechtmäßig.

Dazu kommt, dass die EZB kein Interesse daran hat, Nutzerdaten zu vermarkten oder Informationen über Nutzer zum Beispiel zu Werbezwecken zu verwerten. Zusatzkosten werden durch den digitalen Euro nicht entstehen. Und nicht zuletzt spielt der Umweltgedanke eine Rolle.

Kryptowährungen laufen über ein Netzwerk aus unzähligen Computern und um sie zu verschlüsseln, sind enorme Rechenleistungen notwendig, die sehr viel Energie verbrauchen. Bei der Schaffung des E-Euro ist all das nicht erforderlich.

Nachteile für Verbraucher zeichnen sich nicht ab. Das gilt jedenfalls solange, wie der digitale Euro kein Ersatz für Bargeld wird.

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Hier schreiben Marion Kalinski, 37 Jahre, Deutschlehrerin, Armin Wischhusen, 42 Jahre und freier Journalist, Christian Gülcan Redakteur und Inhaber der Webseite, sowie Denise Menke, geboren 1969, Inhaberin einer Presseagentur. Wir möchten Wissenswertes zu Themen die aktuell in Deutschland sind vermitteln, sowie diverse Anleitungen und Tipps für Schule, Studium oder Beruf weitergeben.

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