Bericht: Was hat es mit dem digitalen Euro auf sich? 1. Teil

Bericht: Was hat es mit dem digitalen Euro auf sich? 1. Teil

In Europa nimmt eine digitale Währung als Ergänzung zum Bargeld langsam konkretere Formen an. Zwar hat sich die Europäische Zentralbank (EZB) noch nicht auf einen Termin festgelegt, zu dem der digitale Euro eingeführt werden soll. Allerdings wurde schon im Jahr 2020 eigens eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die die institutionellen, rechtlichen und praktischen Aspekte der E-Währung klären soll. Und das Ziel ist, die Einführung des digitalen Euro bis 2025 zu schaffen.

Anzeige

Bericht Was hat es mit dem digitalen Euro auf sich 1. Teil

Dabei ist Digitalgeld keine europäische Idee. Auch Länder wie die USA und Kanada arbeiten an virtuellen Währungen. Gleiches gilt für Facebook, das nach dem Ende von Libra mit dem Diem-Dollar einen zweiten Anlauf wagen will. In China wird der digitale Yuan sogar schon getestet.

Nur: Was hat es mit dem digitalen Euro auf sich? Wozu ist er notwendig? Welche Vor- und Nachteile hat eine digitale Weltwährung?

In einem zweiteiligen Bericht beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um den digitalen Euro!:

Digitaler Euro – was ist das?

Die Grundidee hinter dem digitalen Euro ist, physisches Geld in die virtuelle Welt zu überführen. Zwischen der EZB und der EU-Kommission besteht Einigkeit darüber, dass Bargeld zunehmend an Bedeutung verliert. Der digitale Euro soll eine zusätzliche Möglichkeit schaffen, um zu bezahlen und Geld als Sparguthaben anzulegen.

Derzeit prüft die EZB die Voraussetzungen für eine sichere Einführung des E-Euro als digitales Zentralbankgeld. Besonderes Augenmerk liegt dabei zum einen darauf, dass die Sicherheit der digitalen Währung garantiert ist. Zum anderen soll das Vertrauen in eine digitale Währung aufgebaut und gestärkt werden.

Bis zum digitalen Euro ist es aber noch ein weiter Weg. Zumal viele Fragen offen sind. So ist zum Beispiel noch nicht geklärt, ob der E-Euro nur für Banken bereitgestellt oder ob er für den allgemeinen Gebrauch verfügbar sein wird.

Auch die Entscheidung, ob der E-Euro über ein herkömmliches Datenbanksystem oder über eine verteilte Datenbank wie zum Beispiel eine Blockchain ausgegeben wird, ist bislang nicht gefallen. Klar ist bisher lediglich, dass der digitale Euro das Bargeld zwar ergänzen, aber auf keinen Fall ersetzen soll.

Stichwort Blockchain

Bei der Blockchain Technologie werden Datensätze in einer Kette aus Blöcken gespeichert. Die dazugehörige Datenbank liegt nicht nur auf einem Server, sondern ist eine sogenannte verteilte Datenbank.

Dabei hat jeder Nutzer, der an dem Blockchain System teilnimmt, eine komplette Kopie der Datenbank auf seinem Rechner. Ein neuer Datenblock wird mit dem vorhergehenden Block verbunden und kann im Nachhinein nicht mehr verändert werden. Das macht die Kette fälschungssicher.

Was soll der digitale Euro erreichen?

Ein wesentliches Ziel der digitalen Währung ist, dass das Bezahlen im Internet und im internationalen Handel einfacher, kostengünstiger und vor allem deutlich schneller möglich sein soll. Kauft ein Kunde zum Beispiel etwas in China und bezahlt per klassischer Überweisung, ist das Geld mitunter genauso lange unterwegs wie die Ware.

Mit einer digitalen Währung könnte der Bezahlvorgang innerhalb von Sekunden abgeschlossen sein. Auch Kleinstüberweisungen, die sogenannten Micro Payments, sind mit einer E-Währung einfacher und schneller umzusetzen.

Gleiches gilt für Transaktionen, die etwa im Internet der Dinge automatisiert ablaufen können. Geräte, die mit dem Internet verbunden sind, könnten so automatisiert am Zahlungsverkehr teilnehmen und die Umsätze oder die Kosten eigenständig verbuchen.

Anzeige

Bemerkt beispielsweise ein smarter Kühlschrank, dass die Butter alle ist, bestellt er online frische Butter und bezahlt mit dem E-Euro. Auch vor dem Hintergrund künftiger Innovationen und neuer Technologien begrüßt die Industrie deshalb in weiten Teilen die Einführung einer digitalen Währung.

Daneben spielt die Anonymität eine Rolle. Mitte April 2021 hat die EZB die Ereignisse einer öffentlichen Befragung zum digitalen Euro veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass es die Menschen beschäftigt, wie nachvollziehbar Geldströme sind.

Sowohl Fachleute als auch die Öffentlichkeit wünschen sich von der digitalen Währung an erster Stelle, dass die Privatsphäre geschützt ist. Daneben möchten die Befragten, dass der E-Euro sicher ist, Zahlungen im gesamten Euroraum ermöglicht, Zusatzkosten vermeidet und auch offline nutzbar ist.

Spielt der Zeitfaktor beim digitalen Euro eine Rolle?

Die Zeit fällt bei einer europäischen Digitalwährung sehr stark ins Gewicht. Momentan sind es nämlich die anderen, die das Tempo vorgeben. Vorreiter dabei ist China, das mit der Chinese Digital Currency Electronic Payment bereits seine staatliche Digitalwährung testest. Seit kurzem kann der E-Yuan sogar schon beim Onlineshopping eingesetzt werden, wenn zunächst auch nur bei einem Anbieter.

Seit 2020 probiert China außerdem verschiedene Apps aus, die eine Zahlung mit E-Yuan ermöglichen. Ein Teil der staatlichen Leistungen wird ebenfalls in der digitalen Währung an die Bezieher ausgezahlt.

Die chinesische Regierung reagiert mit dem E-Yuan auf den großen Erfolg von Kryptowährungen. Dabei setzt die chinesische Digitalwährung auf eine Mischung aus Blockchain und traditionellen Verrechnungsmethoden.

Facebook hatte schon 2019 angekündigt, eine digitale Währung einzuführen. Sie hieß Libra und sollte den Nutzern des sozialen Netzwerks und den damit verbundenen Diensten ermöglichen, Online-Einkäufe mit der digitalen Währung zu bezahlen. Dazu sollte ein Libra Coin verschiedene internationale Währungen abbilden.

Das Projekt stieß aber weltweit auf großen Widerstand. Sowohl die Notenbanken als auch die Politik werteten die Initiative als einen Angriff auf das staatliche Währungsmonopol durch ein Privatunternehmen. Aus diesem Grund stellten sie in Aussicht, dass private Digitalwährungen stark reguliert werden würden.

Um doch noch eine Zulassung zu bekommen, wandelte Facebook das Konzept massiv ab. So ist zunächst nur ein sogenannter Stablecoin vorgesehen. Er bildet jeweils einen US-Dollar ab. Stablecoins sind Kryptowährungen. Damit ihr Kurs nicht zu sehr schwankt, wird ihr Preis entweder aktiv oder automatisch gesteuert. Der Name hat sich ebenfalls geändert. Anstelle von Libra heißt die Währung nun Diem-Dollar.

Facebook hat bislang zwar keinen Zulassungsantrag in der EU gestellt. Und auch der chinesische E-Yuan ist noch in der Testphase. Trotzdem kann sich die EU nicht ewig Zeit lassen. Sonst besteht die Gefahr, dass Europa bei den Digitalwährungen abgehängt wird.

Mehr Berichte, Tipps, Ratgeber und Anleitungen:

Thema: Bericht: Was hat es mit dem digitalen Euro auf sich? 1. Teil

Anzeige
Redakteure
Twitter

Veröffentlicht von

Redakteure

Hier schreiben Marion Kalinski, 37 Jahre, Deutschlehrerin, Armin Wischhusen, 42 Jahre und freier Journalist, Christian Gülcan Redakteur und Inhaber der Webseite, sowie Denise Menke, geboren 1969, Inhaberin einer Presseagentur. Wir möchten Wissenswertes zu Themen die aktuell in Deutschland sind vermitteln, sowie diverse Anleitungen und Tipps für Schule, Studium oder Beruf weitergeben.

Kommentar verfassen