Bericht: Warum steigen die Lebensmittelpreise?

Bericht: Warum steigen die Lebensmittelpreise?

Nicht nur die Energiekosten sind gestiegen. Auch die Preise für Lebensmittel klettern seit Monaten stetig in die Höhe. Aber warum ist das so? Was sind die Auslöser? Und wie wird die Entwicklung weitergehen? In diesem Bericht geben wir Antworten!

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Bericht Warum steigen die Lebensmittelpreise

Wie stark sind die Preise gestiegen?

Aus den Daten des Statistischen Bundesamtes ergibt sich, dass Nahrungsmittel teurer geworden sind. Dabei betreffen die Kostensteigerungen alle Gruppen von Lebensmitteln.

In den vergangenen Jahren war der Anstieg bei den Lebensmittelpreisen geringer ausgefallen als bei anderen Lebenshaltungskosten. So betrug die durchschnittliche Teuerung im Zeitraum von 2000 bis 2019 knapp 1,5 Prozent. Im Unterschied dazu erhöhten sich die Preise zwischen August 2021 und August 2022 um 16,6 Prozent.

Der Preisanstieg ist in allen Nahrungsmittelgruppen zu verzeichnen. Besonders stark macht er sich jedoch bei Speiseölen und -fetten, Molkereiprodukten, Eiern, Fleischwaren sowie Brot und Getreideerzeugnissen bemerkbar. Während Speiseöle im August um rund 45 Prozent teurer geworden sind, kosteten Molkereiprodukte über ein Viertel und Brot knapp ein Fünftel mehr.

Seriöse Vorhersagen über die weiteren Entwicklungen sind schwierig. Experten gehen aber davon aus, dass die Lebensmittelpreise in der näheren Zukunft auf dem hohen Niveau verbleiben oder sogar noch weiter ansteigen werden.

Warum steigen die Lebensmittelpreise überhaupt?

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die die Situation in der Landwirtschaft und in der Nahrungsmittelindustrie verändern und dadurch dann auch in den Preisanstieg hineinspielen. So haben sich auf der einen Seite die Kosten für Energie, Dünger und Futtermittel stark erhöht.

Auf der anderen Seite haben der Mindestlohn und der Mangel an Arbeitskräften höhere Personalkosten zur Folge. Eine erste Teuerung machte sich schon im Juli 2021 bemerkbar und seitdem hält der Trend ungebrochen an. Die unsichere Lage auf der internationalen Politikbühne kommt erschwerend dazu.

Wie groß der Einfluss der Energie- und Lebensmittelpreise auf die Gesamtinflationsrate ist, wird deutlich, wenn die Teuerungsrate ohne Energie und Nahrungsmittel betrachtet wird. Sie lag im August 2022 bei 3,5 Prozent. Die Gesamtinflationsrate hingegen fiel mit 7,9 Prozent mehr als doppelt so hoch aus.

Es ist unbestritten, dass teils stark gestiegene Herstellungskosten eine Ursache für die Preissteigerungen sind. Aber nicht alle Preissteigerungen sind transparent. An den Börsen zum Beispiel wird hauptsächlich mit Energierohstoffen wie Erdöl und Gas spekuliert, genauso aber auch mit Nahrungsmitteln wie Weizen und Pflanzenölen.

Spekulationsgeschäfte können ebenfalls Preistreiber sein. Daneben ist nicht auszuschließen, dass einige Lebensmittelproduzenten und Handelsunternehmen die Gelegenheit nutzen, um ihre Erträge zu verbessern.

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Sind Engpässe bei Mehl und Brot zu befürchten?

Die Ukraine und Russland sind wichtige Weizenproduzenten. Nach Frankreich ist Deutschland aber der zweitgrößte Getreidehersteller in der EU. Brotgetreide muss nicht nach Deutschland importiert werden. Hamsterkäufe sind deshalb unnötig und können die Lage sogar noch verschlimmern.

Kurzfristig leere Supermarktregale beispielsweise bei Mehl sind die Folge einer massiv gestiegenen Nachfrage, die auf die Schnelle nicht bedient werden kann. Anlass zur Sorge besteht dadurch aber nicht. Allerdings führen die hohen Preise bei Futtergetreide dazu, dass auch die Preise für Lebensmittel tierischen Ursprungs steigen.

Die Kosten für Mehl, Brot und Backwaren haben sich schon erhöht und werden aller Voraussicht nach hoch bleiben oder sogar noch weiter steigen. Der Grund hierfür ist, dass sich die deutschen Preise für Getreide am Weltmarkt orientieren.

Und Länder, die bislang viel Weizen aus Russland und der Ukraine importiert haben, werden ihren Bedarf künftig vermutlich stärker über den Weltmarkt abdecken müssen.

Rund die Hälfte der weltweiten Lagerbestände an Weizen hortet aktuell China. Indien wiederum, das zu den weltgrößten Anbauländern von Weizen zählt, hat die Exporte des Getreides im Mai 2022 gestoppt. Das Land hat mit massiven Hitzewellen zu kämpfen, die zu geringeren Ernten führen.

Der Exportstopp soll den eigenen Bedarf sicherstellen. All das sind Entwicklungen, die Umbrüche und höhere Preise auf dem Weltmarkt nach sich ziehen.

Nachdem die Blockade der Häfen in Odessa und anderen Standorten am Schwarzen Meer für Getreideexporte aufgehoben war, sank der Weizenpreis zunächst. Angesichts des heißen Sommers in der EU in diesem Jahr ist aber fraglich, ob das so bleiben wird.

Insgesamt gehen die Nahrungsmittelpreise seit Mai 2022 wieder zurück. Allerdings sind sie nach wie vor deutlich höher als in den Vorjahren. Hinzu kommt, dass die stark gestiegenen Kosten für Düngemittel noch gar nicht in die derzeitigen Getreidepreise eingeflossen sind.

Wie sieht es bei den Speiseölen aus?

Speiseöle muss Deutschland aus dem Ausland exportieren. Dabei ist das Angebot aus anderen EU-Ländern, Osteuropa, Kanada und den USA groß. Allerdings gab es schon vor dem Ukraine-Konflikt Probleme mit weltweiten Auswirkungen.

Dazu zählen Ernteausfälle in Südamerika und Kanada infolge extremer Hitzewellen, eine größere Nachfrage nach Biodiesel als Kraftstoff und Preisanstiege bei Düngemitteln und Energie.

Hinzu kommt, dass die internationalen Märkte Einfluss darauf haben, wie sich die Preise in der EU und in Deutschland entwickeln. Denn Raps gehört zu den Rohstoffen, die weltweit am meisten gehandelt werden.

Der Konflikt in der Ukraine verschärfte die ohnehin schon angespannte Lage. Die Ukraine produziert rund die Hälfte der Sonnenblumen, zusammen mit Russland sind es rund drei Viertel der weltweiten Produktion. Infolge des Krieges kam es vorübergehend zu Lieferengpässen bei Sonnenblumenöl.

Verbraucher in Deutschland können allerdings problemlos auf andere Speiseöle zurückgreifen. So zum Beispiel auf Rapsöl oder Olivenöl, bei denen keine Engpässe zu befürchten sind. Hamsterkäufe müssen also auch hier nicht sein. Zumal Hamsterkäufe Engpässe künstlich hervorrufen, weil die Ölmühlen und die Lieferketten auf eine sprunghaft ansteigende Nachfrage nicht so schnell reagieren können.

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