Die deutsche Sprache in der Wissenschaft

Die Rolle der deutschen Sprache in der Wissenschaft 

Neue Erkenntnisse und Ergebnisse in Wissenschaft und Forschung sind letztlich nur dann möglich, wenn sich Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen zu einer internationalen Gemeinschaft zusammenschließen und miteinander austauschen.

Dabei war es schon immer so, dass die gesprochene und geschriebene Sprache der jeweils tonangebenden Nation als gemeinsame Wissenschaftssprache verwendet wurde.

In der Antike beispielsweise mussten die Gelehrten die griechische Sprache beherrschen, um die Bibliotheken nutzen und sich untereinander austauschen zu können. Später war dann die lateinische Sprache die Wissenschaftssprache der Gelehrten und des Klerus. Auch wenn die Pfarrer ihre Predigten zunehmend in der jeweiligen Landessprache hielten und politische Debatten mittlerweile auf Englisch oder Französisch abgehalten wurden, wurde an Universitäten in Europa nach wie vor in lateinischer Sprache geforscht und gelehrt. Auch Wissenschaftler wie Isaac Newton oder Gottfried Wilhelm Leibniz veröffentlichten ihre Forschungsergebnisse noch auf Latein. Erst im 19. Jahrhundert und damit nach weit mehr als 1000 Jahren nahm die Bedeutung der lateinischen Sprache als Wissenschaftssprache allmählich ab.

Ein möglicher Grund dafür kann sein, dass die neuen Erkenntnisse und Entwicklungen im Bereich der Naturwissenschaften und der Technik neue Begriffe und Bezeichnungen erforderlich machten, die durch die lebendigen Sprachen besser abgedeckt werden konnten. Im deutschsprachigen Raum führte vor allem der wissenschaftliche Fortschritt dazu, dass sich die deutsche Sprache im 19. Jahrhundert zunehmend als international anerkannte Wissenschaftssprache etablierte. So gab es zahlreiche Publikationen in deutscher Sprache und auch an den Universitäten wurde auf Deutsch gelehrt und geforscht.

Die Politik des deutschen Kaiserreichs und die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges verhinderten jedoch, dass sich die deutsche Sprache endgültig als Wissenschaftssprache durchsetzen konnte. Stattdessen etablierte sich die englische Sprache als Wissenschaftssprache von Weltrang, sicher nicht zuletzt auch aufgrund der großen Verbreitung angelsächsischer Staaten in allen Teilen der Welt. Heute nimmt die englische Sprache eine extrem dominante und prägende Rolle ein. So werden nicht nur immer mehr Ausdrücke aus dem Englischen in den alltäglichen Sprachgebrauch übernommen, sondern auch wissenschaftliche Veröffentlichungen erfolgen meist auf Englisch.

Sogar Veröffentlichungen von Artikeln und Berichten in deutschen Fachzeitschriften, Tagungen deutschsprachiger Wissenschaftler und Lehrveranstaltungen an deutschen Universitäten erfolgen zunehmend auf Englisch. Zweifelsohne ist eine gemeinsame Wissenschaftssprache erforderlich, um sich auf internationaler Ebene wissenschaftlich austauschen zu können. Aber daraus ergibt sich auch die Frage, welche Rolle die deutsche Sprache in der Wissenschaft überhaupt noch spielt.

Die 7. Thesen

Deutsche Wissenschaftler haben sieben Thesen formuliert, in denen sie die Rolle der deutschen Sprache in der Wissenschaft kritisch beurteilen und die Konsequenzen, die sich aus der Abkehr von der deutschen Sprache ergeben, für Deutschland als Wissensstandort benennen:

1.      

Da sich die englische Sprache in der internationalen Wissenschaft als Kommunikationssprache etabliert hat, muss letztlich jeder Wissenschaftler seine Ergebnisse, Theorien und Thesen in englischer Sprache veröffentlichen.

2.      

Der Gedankenaustausch wird durch die immer häufigere Nutzung der englischen Sprache auch in der deutschsprachigen Wissenschaft letztlich beeinträchtigt. Dies liegt daran, dass deutschsprachige Wissenschaftler in aller Regel kein Studium der Anglistik absolviert haben.

Dadurch fehlen den Wissenschaftlern die Fertigkeiten, um komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge mit all den sprachlichen Feinheiten und Nuancen zu vermitteln und zu erfassen, wie dies in ihrer Muttersprache möglich wäre.

3.      

Eine wissenschaftliche Universalsprache kann eine intellektuelle Verarmung zur Folge haben. Dies liegt daran, dass jede Sprache durch ihre Struktur, ihre Grammatik und ihr Vokabular auch die spezifische Weltanschauung der jeweiligen Nation widerspiegelt.

Beschränkt sich die Wissenschaft auf nur eine Sprache und gibt sie in diesem Zuge die Wurzeln der Muttersprache auf, führt dies langfristig zu Defiziten im Hinblick auf die inhaltliche Gestaltung.

4.      

Die Übernahme von englischen Ausdrücken in den deutschen Sprachgebrauch führt dazu, dass sich Fachausdrücke im Deutschen in nur sehr geringem Umfang oder gar nicht weiterentwickeln.

Insofern beeinträchtigt der ausschließliche Gebrauch der englischen Sprache die Weiterentwicklung der deutschen Sprache als Wissenschaftssprache und als gesprochene Sprache im Allgemeinen.

5.      

Nur rund ein Drittel der Deutschen verfügt über so gute Englischkenntnisse, dass auch wissenschaftliche Aussagen verstanden werden. Ein weiteres Drittel verfügt lediglich über begrenzte Englischkenntnisse, das letzte Drittel spricht überhaupt kein Englisch.

Dies hat zur Folge, dass es zu einer Entfremdung zwischen Wissenschaft und Forschung auf der einen Seite und der Öffentlichkeit auf der anderen Seite kommt, da die fehlenden Englischkenntnisse dazu führen, dass große Teile der Bevölkerung von der Forschung im eigenen Lande ausgeschlossen sind.

Dies wiederum beeinträchtigt zunehmend die Akzeptanz der Wissenschaft und Forschung, die schließlich von den Steuerzahlern finanziert wird.

6.      

Als Forschungs- und Ausbildungsstandort wird Deutschland nicht attraktiver, wenn auf die deutsche Sprache verzichtet wird. Die Lehrveranstaltungen, die von deutschen Muttersprachlern in englischer Sprache gehalten werden, klingen häufig steif und sprachlich nicht ausgereift.

Zudem geben viele Studenten und Wissenschaftler dem englischen Original den Vorzug. Hinzu kommt, dass sich die Investitionen in die Ausbildung ausländischer Studenten und Forscher letztlich nur dann auszahlen werden, wenn sich diese längerfristig an das Gastland binden möchten. Dies wiederum setzt aber voraus, dass sie auch bereit sind, sich auf die Sprache und die Kultur des Gastlandes einzulassen und sich damit zu beschäftigen.

7.

Um Deutschland als Wissenschaftsstandort wieder interessanter zu machen, muss die deutsche Sprache durch die Universitäten und die Politik wieder gefördert werden.

Hierzu gehört beispielsweise, dass Veranstaltungen mit ausschließlich deutschsprachigen Teilnehmern auch auf Deutsch stattfinden, wissenschaftliche Fachbeiträge, Texte und Berichte von deutschen Wissenschaftler auf Deutsch publiziert, für Fachausdrücke auch deutsche Begriffe gefunden und ausländische Studenten sowie Gastwissenschaftler dazu ermutigt werden, die deutsche Sprache zu lernen.

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